DRK-Landesverband: Fit in Erster Hilfe - Unterfinanzierung im Rettungsdienst

 

9. Mai 2008
Stuttgart. Das Rote Kreuz in Baden-Württemberg steht für Kompetenz im Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Erster Hilfe
und in der Sozialarbeit. Angesichts steigender Personal- und Materialkosten warnte DRK-Präsident Dr. Lorenz Menz vor einer Krise im Rettungsdienst. In der Erste-Hilfe-Ausbildung, der Jugendarbeit und an den Schulen freut sich der Verband über Erfolge und über steigende Zahlen.
Als größte nationale Hilfsgesellschaft sowie als Spitzenverband der Wohlfahrtspflege zieht das Rote Kreuz in Baden-Württemberg mit mehr als 50.000 ehrenamtlichen Helfern und rund 5.500 hauptamtlich Beschäftigten eine erfolgreiche Bilanz.


„Wir haben im Rettungsdienst unsere Hausaufgaben gemacht“, so Dr. Menz. Das Rote Kreuz ergreife die Initiative, den Rettungsdienst und damit auch die Einhaltung der Hilfsfrist von maximal 15 Minuten zu verbessern: Qualitätsmanagement und Zertifizierung nach DIN ISO 9001:2000, Spitzenwerte bei der Ausbildung und ständige Fortbildung seien ebenso wichtige Elemente wie die Unterstützung durch ehrenamtliche Kräfte. Bei der Einhaltung der Hilfsfrist gebe es Forstschritte:
2007 wuchs die Zahl der Rettungsdienstbereiche mit eingehaltener Hilfsfrist bei den Rettungswagen gegenüber 2006 von 13 auf 16. Sechs weitere Rettungsdienstbereiche verfehlten mit einer Überschreitung von maximal einer Minute die einzuhaltende Hilfsfrist nur knapp. Die durchschnittlich eingehaltene Hilfsfrist im Lande stieg von 93,47 % auf 94,39%.

Das Rote Kreuz trägt rund 87 Prozent des Rettungsdienstes und des Krankentransportes in Baden-Württemberg. An 145 Rettungswachen werden insgesamt 92 Notarzteinsatzfahrzeuge und 282 Rettungswagen vorgehalten.
Die Notfallrettung stieg 2007 im Vergleich zum Vorjahr erneut an, diesmal um 5,2 % auf 383.379 Einsätze (2006: 364.216). Der qualifizierte Krankentransport wuchs um 10 % auf 495.402 Einsätze (2006: 447.605).

Unterstützt werde der Rettungsdienst auch durch das mittlerweile weit verbreitete System „Helfer-Vor-Ort“, mit dem die von der Leitstelle alarmierten ehrenamtlichen Helfer binnen weniger Minuten vor Ort die Anfahrtszeit des Rettungswagens mit Erster Hilfe überbrücken können.

Das System des Rettungsdienstes befinde sich in einer Krise, so Dr. Menz. Es dauere oft Jahre, bis Verhandlungen mit den Krankenkassen zu einer Verbesserung führen. Das gelte sowohl für die bessere Ausstattung mit Fahrzeugen, wie auch für die Erstattung unvermeidbarer Kosten: Das Rettungsdienstgesetz schreibt die Rahmenbedingungen vor – die Erstattung der stetig steigenden Kosten durch die Krankenkassen jedoch wird auf die viel niedrigere Grundlohnsummensteigerung beschränkt. „Wir stecken in einer Erstattungsfalle. Allein der Tarifabschluss dieses Jahres beschert dem DRK eine Finanzierungslücke von über sechs Millionen Euro.“ Dabei sei der Rettungsdienst in Baden-Württemberg der im bundesweiten Vergleich Kostengünstigste, so Dr. Menz.

Kritik äußerte der Verband auch gegenüber den mangelnden Ausbildungsvorgaben im Rettungsdienst: Eine lediglich einjährige Ausbildung mit nachfolgendem Praktikum sei zu wenig für die anspruchsvollen Beruf des Rettungsassistenten.

Fit in Erster Hilfe
Das Rote Kreuz bietet als einzige Organisation in Deutschland eine einzigartige Bandbreite der Vorsorge für den medizinischen Notfall. Es ist in Baden-Württemberg der größte Anbieter von Ausbildungsangebote in Erster Hilfe.
Seit dem 2. Mai 2008 gibt es gemeinsam mit dem ADAC flächendeckend einen neuen 90-Minuten-Auffrischungskurs mit landesweit 240 Terminen für bis zu 5.000 Teilnehmer. Ziel des kompakten, praxisorientierten Auffrischungs-Programms für 12 Euro ist es, alle Menschen zu erreichen, deren Kurs lange zurückliegt, die aber nicht 16 Stunden (Lehrgang „Erste Hilfe“) aufbringen können.

Bevölkerungsschutz
Das Deutsche Rote Kreuz ist der Hauptleistungsträger des Katastrophenschutzes, für den das Land verantwortlich zeichnet. Rund 6.000 ehrenamtliche Helfer stehen bereit, falls der „Grundlast-Rettungsdienst“ nicht mehr ausreicht – flächendeckend, gut ausgebildet und mit Einsatzerfahrung. Hinzu können noch viele tausend weitere Helfer aus den Bereichen Sozialarbeit, Notfallnachsorge, Rettungshunde, Wasserwacht und Bergwacht kommen.
Derzeit wird der Bevölkerungsschutz in Deutschland neu strukturiert, um schlagkräftiger zu sein. Zugleich bleibt in Baden-Württemberg der überalterte Fahrzeugbestand im Katastrophenschutz eine Achillesferse.
Dr. Menz: „Ein tauglicher Katastrophenschutz braucht eine taugliche Ausrüstung und die dafür nötigen Finanzmittel. Wir fordern die Landesregierung auf, die Einschätzung der eigenen Experten aufzunehmen und die entsprechenden Mittel in den Haushalt einzustellen.“ Es geht um eine Erhöhung von bislang 500.000 Euro auf künftig jährlich 3,5 Millionen Euro. „Selbst dann brauchen wir noch rund 10 Jahre, um den fehlenden und zum Teil überalterten Fahrzeugbestand zu ersetzen.“

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer
Die Mitgliederzahlen im DRK-Landesverband sind stabil: Die Gesamtzahl von 604.691 (2006: 610.050) setzt sich zusammen aus 553.964 (2006: 559.491) Fördermitgliedern und 50.727 (2006: 50.559) ehrenamtlichen Aktiven. Hierzu gehören 14.892 (2006: 14.192) Jugendrotkreuzler im Alter zwischen sechs und 27 Jahren. Mit seinen 34 Kreisverbänden beschäftigt der DRK-Landesverband 5.481 (2006: 5.521) hauptamtlich tätige Mitarbeiter, 2.047 davon im Rettungsdienst.
Einen besonderen Dank richtete Dr. Menz an die ehrenamtlichen DRK-Helfer, die einen Großteil der Aufgaben bewältigen: Im Jahr 2007 leisteten sie mehr als drei Millionen (3.411.997) ehrenamtliche Dienststunden. Deren Einsatz sei ein unbezahlbarer Dienst für eine menschliche Gesellschaft.

Jugendrotkreuz
Die Jugendarbeit des Roten Kreuzes ist weit vielfältiger, als nur Nachwuchs-Sanitäter zu gewinnen. Sie stärkt den Sinn für soziales und verantwortliches Denken – und sorgt selbstverständlich auch dafür, das Wissen über die Erste Hilfe zu verbreiten.
Hierfür steht das Jugendrotkreuz, dieses Jahr unter dem Motto „Deine Stärken. Deine Zukunft. Ohne Druck“. Diese Kampagne macht auf zunehmende Zukunfts- und Versagensängste durch wachsende und teils auch widersprüchliche gesellschaftliche Erwartungen an junge Menschen aufmerksam. Erstmals geschieht dies in einer internationalen Zusammenarbeit zwischen dem Jugendrotkreuz aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz.

Fast 15.000 Mitglieder bedeuten für das Jugendrotkreuz im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 5%. Seit 20 Jahren fördert das Rote Kreuz mit wachsendem Zuspruch den Schulsanitätsdienst: Mittlerweile sind es an mehr als 400 Schulen rund 5000 Schüler – das ist eine weitere Steigerung um 20% gegenüber dem letzten Jahr.

Mobil und fit auch im Alter: Die Sozialen Dienste
Das breit gefächerte Angebot des Roten Kreuzes von sozialen, ambulanten und stationären Hilfen hilft allen Menschen, die sich fit halten wollen und zuhause leben wollen. Dazu gehört der Menuservice, Fahrdienste und Betreuungsdienste und der Hausnotruf. Dort ist das Rote Kreuz Marktführer mit einem Zuwachs von 15% im letzten Jahr. Die Bewegungsprogramme mit Tanz, Gymnastik, Yoga und Gedächtnistraining bewegen rund 30.000 Teilnehmerinnen jährlich.

Die sogenannten „niederschwelligen Dienste“ erleben eine Renaissance. Exemplarisch stehen dafür die 55 Kleiderläden oder die neuen Tafelläden, von denen das Rote Kreuz in den letzten beiden Jahren 12 neu eröffnet hat.
Das pflegerische Angebot des Roten Kreuzes aus ambulanten Pflegediensten und Tagespflege-Angeboten wird komplettiert durch die stationären und teilstationären Altenpflegeeinrichtungen. Derzeit betreibt das Rote Kreuz in Baden-Württemberg
45 Einrichtungen mit zirka 3.400 Plätzen.

 

 

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