Stuttgart, 20. Juli 2009
Das Deutsche Rote Kreuz im Landesverband Baden-Württemberg befürchtet bei den sieben noch nicht integrierten Leitstellen des Landes erhebliche Qualitätsverluste für die Notfallpatienten, falls die Notrufnummer 112 bei der Feuerwehr aufgeschaltet bleibt. Das stellten die Vertreter aller Kreisverbände und das Präsidium auf der Sitzung des Landesausschusses am 18. Juli in Neuhausen klar. Der Präsident des DRK-Landesverbandes, Dr. Lorenz Menz betonte, dass das Rote Kreuz angesichts der nur knapp einzuhaltenden Hilfsfristen nicht bereit sei, eine Verschlechterung der notfallmedizinischen Versorgung für die Bürger in diesen Stadt- und Landkreisen zu akzeptieren.
Die Bundesregierung hat im März 2009 die europäische Notrufnummer 112 neben der 110 als nationale Notrufnummer der Polizei festgelegt. Die bislang in den süddeutschen Ländern gültige Notrufnummer 19222 dürfe, so das baden-württembergische Sozialministerium, künftig nur noch für den Krankentransport verwendet werden.
Unproblematisch ist dies überall dort, wo in einer integrierten Leitstelle medizinische Notfälle und Feuerwehreinsätze abgewickelt werden. In den sieben Stadt- und Landkreisen Pforzheim, Karlsruhe, Heilbronn, Mannheim, Ludwigsburg, Tübingen und Freiburg sowie in Heidelberg ist diese Zusammenführung noch nicht erfolgt.
Angesichts der hohen Zahl der medizinischen Notrufe und der verschwindend geringen Anzahl von Feuerwehreinsätzen lehnt das Rote Kreuz es ab, dass die künftige europäische Notrufnummer bei der Feuerwehrleitstelle aufläuft. Es sei „nicht hinnehmbar“, dass durch eine Rufweiterleitung von der Feuerwehr zum DRK wertvolle Zeit für den hilfesuchenden Bürger verloren gehe.
„Bei der Rufnummer 112 gibt es keinen Dissens mit der Landesregierung“, so Lorenz Menz, „wir erwarten jedoch vom Sozialministerium eine eindeutige Regelung, dass die Notrufnummer bis zur endgültigen Integration der Leitstellen dort aufläuft, wo die meisten Notrufe eingehen.“ Das sind ausnahmslos die Rettungsleitstellen des DRK. „Oberstes Ziel muss die schnelle und lebensrettende medizinische Notfallversorgung der Bevölkerung sein.“, so Menz weiter. Eine Aufschaltung der Anrufe in den genannten Kreisen auf die Feuerwehrleitstellen lehnt das Rote Kreuz deshalb ab.
„Das ist grober Unsinn“, so DRK-Landesgeschäftsführer Hans Heinz. Wenn 80 Prozent der Anrufe erst durch das Nadelöhr der Feuerwehr m> üssen, um dann zur Rettungsleitstelle weitergeleitet zu werden, sieht er nicht nur Kapazitätsprobleme und steigende Personalkosten. Die Disponenten der Feuerwehrleitstellen verfügen nicht über das medizinische und rettungsdienstliche Wissen, um einen Einsatz fachgerecht zu disponieren. „Und in jedem Fall geht wertvolle Zeit verloren, bis Notarzt und Rettungswagen ausrücken können“, so Heinz.
Der Geschäftsführer des DRK-Landesverbandes bedauert in diesem Zusammenhang, dass es in Deutschland nicht möglich war, eine eigene medizinische Notfallnummer einzuführen, wie dies in vielen anderen europäischen Ländern der Fall ist: „Ich bin fest davon überzeugt, dass eine medizinische Notfallnummer, z. B. „111“ für den Bürger tausendmal wichtiger ist, als eine einheitliche Behördenrufnummer „115“.“
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