Stuttgart. Staat und Krankenkassen sparen auf dem Rücken von sozialen Einrichtungen und der Patienten im Rettungsdienst sowie im Zivildienst. Dies war der Tenor auf der heutigen Jahrespressekonferenz des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg. Jedoch ergehe sich das DRK nicht in Klagen. Mit aktivem Qualitätsmanagement in allen Bereichen der DRK-Organisation seien erfreuliche und zukunftssichernde Wege eingeschlagen worden. Auch im Katastrophenschutz seien Fortschritte zu verzeichnen. Für das letzte Jahr zog Präsident Dr. Lorenz Menz gleichzeitig eine „gute Bilanz in schweren Zeiten“.
Abgesehen von den aktuellen Problemen durch den verkürzten Zivildienst sei die mangelnde Kostenerstattung durch die Krankenkassen im Rettungsdienst und Krankentransport äußerst problematisch. „Wir bleiben auf Kostensteigerungen sitzen“, so der DRK-Präsident, „auf die wir keinen Einfluss haben“. Bleibe es bei der angekündigten Nullrunde bei der Kostenerstattung durch die Krankenkassen, sei für dieses Jahr ein Defizit in Höhe von zirka 4,5 Mio. Euro zu erwarten. Ein kostendeckender Krankentransport sei damit nicht durchzuführen. „Unter diesen Umständen werden wir immer öfter vor den Schiedsstellen und den Gerichten landen“, so der DRK-Präsident.
Beim Zivildienst fordert das DRK endlich Klarheit über die Sparmaßnahmen: „Es kann nicht sein, dass von heute auf morgen Zivildienstleistende wegfallen, nur weil die Bundesregierung es nicht schafft, die eigenen Sparbeschlüsse zu definieren und in Kraft zu setzen“. Bereits seit Ende Dezember 2002 seien – trotz einer Einigung mit den Wohlfahrtsverbänden über eine zusätzliche Kostenbeteiligung – alle ZDL-Stellen ab April 2003 gesperrt. Wann wie viele Stellen wieder freigegeben werden wisse niemand. Alleine beim DRK-Landesverband werden von rund 1350 Zivildienstleistenden ab April monatlich rund 300 aufgrund der Sperre nicht ersetzt werden können.
Fünfzigtausend Helfer und Millionen von Arbeitsstunden: Daten und Zahlen zum DRK-Landesverband
Die Mitgliederzahlen im DRK-Landesverband sind stabil oder steigen leicht: Die Gesamtzahl der Mitglieder von 609.119 setzt sich zusammen aus 558.993 Fördermitgliedern und den erstmals mehr als 50.000 (50.836) ehrenamtlichen Aktiven. Hierzu gehören 15.529 Jugendrotkreuzler im Alter zwischen sechs und 27 Jahren, deren Zahl ebenfalls erfreulich konstant geblieben ist.
Damit ist der Landesverband Baden-Württemberg mit seinen 34 Kreisverbänden weiterhin der nach Bayern zweitgrößte von insgesamt 19 Landesverbänden im DRK. Er umfasst 681 Ortsvereine und 748 Bereitschaften. Von den Ende letzten Jahres 4238 bei der Landesgeschäftsstelle und den Kreisverbänden hauptamtlich tätigen Mitarbeitern waren 2160 im Rettungsdienst beschäftigt.
Einen besonderen Dank richtete Dr. Menz an die ehrenamtlichen DRK-Helfer, die einen Großteil der Aufgaben bewältigen: Im Jahr 2002 leisteten sie knapp 3 Millionen ehrenamtliche Dienststunden (2.912.668).
800.000 mal Qualität: Der Rettungsdienst
Die 34 DRK-Kreisverbände führen rund 90% des Rettungsdienstes (Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport) durch. An den 142 Rettungswachen des Verbandes werden insgesamt 99 Notarzteinsatzfahrzeuge, 291 Rettungswagen sowie 225 Krankenkraftwagen vorgehalten.
Die Notfallrettung zeigt im Vergleich zum Vorjahr eine weitere Steigerung von durchschnittlich 2,65% auf 312.820 Einsätze, der qualifizierte Krankentransport bleibt dagegen mit 486.394 Einsätzen konstant.
Die DRK-Auslandshilfe
Im Jahr 2002 führte der DRK Landesverband und seine Kreisverbände 32 Hilfsgütertransporte mit 200 Tonnen Hilfsgütern im Wert von rund einer Million Euro durch. Ziele der Auslandshilfen waren Bulgarien, Mazedonien und Rumänien. Weitere 12 Hilfsgütertransporte wurden über die Bundeswehr in den Kosovo geliefert und an dortige Hilfsorganisationen verteilt. Es handelte sich um medizinische Ausstattung, Kleidung, Heim- und Schulausstattung sowie andere Gebrauchsartikel. In Armenien, Bulgarien, Mazedonien und Russland sowie im Kosovo unterstützte der DRK-Landesverband Baden-Württemberg Suppenküchen und soziale Einrichtungen wie Alten-, Behinderten- und Waisenheime. Hierfür wurden Spendenmittel in Höhe von ca. 125.000 Euro eingesetzt.
Positive Signale und neue Fahrzeuge: Der Katastrophenschutz
Im Rahmen von Anti-Terror-Paketen fördern Bund und Land den Katastrophenschutzdienst der Hilfsorganisationen materiell und finanziell.
Ausdrücklichen Dank ernteten Bund und Land deshalb vom DRK-Präsidenten dafür, dass im Rahmen von Anti-Terror-Programmen die ersten dringend benötigten Fahrzeuge zur Verfügung gestellt wurden, weitere Fahrzeuge folgen im Sommer. Darüber hinaus konnten wichtige Schulungen und Übungen finanziert werden: „Es ist gut, dass auf diesem Gebiet tatsächlich etwas passiert.“
Dennoch mahnte er Kontinuität an: Immer noch seien von den rund 700 vorhandenen Fahrzeugen mehr als 250 Fahrzeuge überaltert oder nicht mehr fahrbereit. „Dies kann im entscheidenden Moment die Einsatzbereitschaft des Katastrophenschutzes gefährden.“
Insgesamt stehen mehr als 21 000 ehrenamtliche DRK-Helferinnen und Helfer in über 80 Schnelleinsatzgruppen, 103 Einsatzeinheiten des Katastrophenschutzes und im DRK-Hilfszug Baden-Württemberg bereit.
Jugendrotkreuz
Ein Highlight der Jugendarbeit 2002 war das im Juli 2002 vom DRK-Landesverband ausgerichtete 13. Internationale Erste Hilfe Turnier des Jugendrotkreuzes in Stuttgart. „Wie hier 18 Gruppen aus dem Ausland, darunter Gruppen aus Burkina Faso, Ghana, Palästina und Israel zusammengefunden haben, hat mich sehr gefreut“, so Menz, „es ist schön, dass sich das DRK hierzulande nicht über mangelndes Engagement der Jugendlichen beklagen muss.“
Die erfolgreiche Schularbeit stützte sich auch im Jahr 2002 auf die drei Pfeiler ‚Schulsanitätsdienst’, Vor- und Grundschulprogramme und Aus- und Fortbildung. Das klassische Angebot ‚Schulsanitätsdienst’ wird zur Zeit an ca. 170 Schulen praktiziert. Die Kreisverbände bildeten knapp 600 Kinder und Jugendliche in erster Hilfe aus. Das Programm wird in diesem Jahr fortgeführt. Geplant sind kostenfreie Erste-Hilfe-Lehrgänge für ca. 7.800 jugendliche Teilnehmer.
Die Sozialen Dienste des DRK
Das Spektrum von Dienstleistungen die das DRK in Baden-Württemberg anbietet, ist zunehmend von modernem Management geprägt. „Wir bieten hier etwas an, wie es nur das DRK kann: Moderne Leistungen, flächendeckend, mit hoher Qualität und absolut offen für alle, die Hilfe und Unterstützung brauchen,“ betonte der Präsident.
DRK geht auf ausländische Mitbürger zu
Das Rote Kreuz geht im Rahmen seines Kursangebots „Älter werden in Deutschland“ gezielt auf ältere Migranten zu, um sie auf Möglichkeiten des Engagements, z.B. als Übungsleiterin, aufmerksam zu machen oder sie für die Gesundheitsförderung zu gewinnen. So geben die DRK-Übungsleiterinnen in griechischen, türkischen und spanischen Vereinen Gymnastikunterricht. Verstärkt werden auch Türkinnen für die Ausbildung zu Übungsleiterinnen im Bewegungsprogramm angesprochen.
Hausnotruf
Mit einem „Urlaub-fast-sorglos-Paket“ bieten alle Kreisverbände des DRK-Landesverbandes im Sommer vom 24. Juli bis zum 24. August eine Hausnotruf-Sonderaktion an. Sie richtet sich vor allem an pflegende Angehörige, die keine Aushilfe für ihre Pflege finden oder aus Sorge um ihre zu Pflegenden sogar oft ganz auf ihren Urlaub verzichten. Hinzu kommt, dass sich Angehörige nur schlecht erholen können, wenn sie sich um die Gesundheit des zu Pflegenden sorgen müssen. Dabei benötigen sie die freien Tage besonders dringend um Ruhe und Entspannung zu finden.
Mit der Aktion hoffen die beteiligten DRK-Kreisverbände möglichst vielen pflegenden Angehörigen eine Alternative zu bieten, um die schönsten Wochen des Jahres unbelastet genießen zu können.
Ambulante und stationäre Pflege:
Unzureichende Kostenübernahme-Praxis bei Altenpflege und Kuren
Die häusliche Krankenpflege wird weiterhin an Bedeutung zunehmen. Ein neues, zukunftsorientiertes und leistungsgerechtes System der Vergütung für diesen elementaren Bereich der ambulanten Gesundheitsversorgung scheitert jedoch weiterhin an der derzeitigen Verhandlungsverweigerung auf Seiten der Leistungsträger und an den inakzeptabel geringen angebotenen Vergütungen.
Eine dauerhafte Unterfinanzierung muss zu einer mittelfristigen Aufgabe von Angeboten führen, warnte der DRK-Landeschef: „In diesem Falle drohen katastrophale Folgen für die pflegerische Infrastruktur.“ Gerade mit Blick auf die aktuelle und zukünftige Entwicklung des Gesundheitswesens und der Einführung der Fallpauschalen in den Krankenhäusern (DRG) sei es kontraproduktiv, die Qualität und Leistungsfähigkeit der ambulanten Pflegedienste zu gefährden.
In der stationären Pflege expandiert der DRK-Landesverband Baden-Württemberg und vertritt derzeit 36 Altenpflege- und Tagespflegeeinrichtungen mit rund 2.800 Plätzen. Dies bedeutet ca. 1.750 Arbeitsplätze sowie 150 Ausbildungsplätze für Altenpflegeschüler.
„Wir stellen zugleich die Qualität der Pflege in den Vordergrund und verstehen daher unter Pflege nicht nur eine ‚Satt- und Sauber- Pflege’, sondern eine menschenwürdige Pflege.“ Deshalb appelliert der DRK-Landesverband Baden-Württemberg eindringlich, den erst nach zähem Ringen beschlossenen Personalschlüssel von 1:2,37 nicht durch das Drehen an anderen Stellschrauben zu verwässern.
Zudem drohe der im vergangenen Sommer festgesetzte Rahmenvertrag für vollstationäre Pflege gemäß § 75 SGB XI für das Land Baden-Württemberg, der eine von allen Seiten begrüßte Verbesserung in der stationären Altenhilfe bringen soll, ins Leere zu laufen.
Qualitätsmanagement, Vernetzung und umfassende Beratung:
Modernes Dienstleistungsmanagement beim DRK
„Wir nehmen beim DRK das Thema Qualitätsmanagement ernst.“ betonte Menz. Der DRK-Landesverband Baden-Württemberg stelle sich damit nicht nur zukünftigen gesetzlichen Anforderungen, sondern entwickele sein Qualitätsmanagement in den pflegerischen Diensten und Einrichtungen genauso systematisch zum Kundennutzen weiter, wie auch im Rettungsdienst.
Auch wenn dringend notwendige gesetzliche Richtlinien noch fehlten, nutze das DRK diesen Zeitraum zum Aufbau von umfassendem Qualitätsmanagement: Das im letzten Jahr gemeinsam mit den Kreisverbänden erstellte Qualitätsmanagement-Rahmenhandbuch für die ambulante und stationäre Pflege wie auch das bundesweit erste Musterhandbuch eines Qualitätsmanagement-Systems im Rettungsdienst diene dabei als Leitlinie für die eigene Qualitätsentwicklung.
Zudem werden seit 1999 verbandsintern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortlaufend zu Qualitätsbeauftragten, Qualitätsmanager und dieses Jahr auch zum Auditor ausgebildet. Insgesamt hat das DRK in Baden-Württemberg bereits ca. 235 Qualitätsbeauftragte ausgebildet.
Presseinfo 08 vom 10.4.2003
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