Jahrespressekonferenz des DRK

 

22. April 2004, 11/2004
Verlässlicher Pfeiler im Rettungsdienst und im Katastrophenschutz – unverzichtbarer Teil des sozialen Netzes - DRK im Wandel

Stuttgart. Das DRK weist trotz schwieriger werdenden Rahmenbedingungen eine gute Bilanz auf. Rettungsdienst, Krankentransport und Katastrophenschutz sind durch die Dienste des DRK im Lande auf hohem Niveau gesichert. Die Sozialarbeit wird entsprechend den Bedürfnissen in der Gesellschaft in allen Kreisverbänden ausgebaut. Die Rotkreuzidee findet bei der jungen Generation einen hervorragenden Anklang. Aber die immer enger werdenden finanziellen Spielräume führen zu bisher noch nie da gewesenen Herausforderungen.

Für das letzte Jahr zog Präsident Menz „trotz der Zuspitzung der Finanzen eine insgesamt positive Bilanz für das Rote Kreuz in Baden-Württemberg“. Der Spagat zwischen Menschlichkeit und Geld werde immer schwieriger.

Dabei befinde sich das Rote Kreuz in einer Umbruchzeit und in einer Situation des Wandels, um „unsere bestehenden Dienste und Strukturen fit zu machen für eine Zukunft, in der wir immer mehr gebraucht werden und in der aber keineswegs mehr Mittel zur Verfügung stehen werden“, so Dr. Menz. Neue Angebote seien dabei genauso wichtig, wie die bestehenden Dienste zu stabilisieren.

„Wir jammern also nicht, sondern versuchen, in allen Bereichen unsere Effizienz zu steigern. Und wir setzen vor allem auf Qualität. Qualitätssicherung, Verlässlichkeit, Nähe zum Menschen, das sind für uns die wichtigsten Orientierungsmarken.“

Menz weiter: „Unser Kapital sind die rund 48.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die im vergangen Jahr fast 3 Mio. Arbeitsstunden freiwillig und unentgeltlich geleistet haben. Das ist ein unbezahlbarer Dienst im Sinne der Mitmenschlichkeit. Hier spiegelt sich der Geist des DRK wieder. Und zu unserem Kapital gehören die rund 4.000 hauptamtlichen Kräfte, die verlässliche und professionelle Hilfe leisten. Diese große Zahl von Helferinnen und Helfer zu halten, immer wieder neue zu gewinnen, durch eine breit angelegte Fort- und Weiterbildung hohes Leistungsniveau zu sichern, das sind die eigentlichen Zukunftsaufgaben.“

Rettungsdienst
„Im Rettungsdienst leisten wir nach wie vor eine zuverlässige und tadellose Arbeit, so Dr. Menz. Die Zertifizierung des Rettungsdienstes im KV Göppingen durch den TÜV bestätige die Anstrengungen des DRK um ein modernes und zukunftsfähiges Kosten- und Qualitätsmanagement.
Die 34 DRK-Kreisverbände führen rund 90% des Rettungsdienstes (Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport) durch. An den 145 Rettungswachen des Verbandes werden insgesamt 101 Notarzteinsatzfahrzeuge, 293 Rettungswagen sowie 224 Krankenkraftwagen vorgehalten. Die Notfallrettung zeigte 2003 im Vergleich zum Vorjahr eine weitere Steigerung von durchschnittlich 6,93% auf 334.505 Einsätze (2002: 312.820).

Die finanzielle Ausgangssituation im Rettungsdienst sei prekär. Nach wie vor bleibe das DRK auf Kostensteigerungen sitzen, auf die es keinen Einfluss habe. Im Gegensatz zu der von den Krankenkassen proklamierten „Nullrunde“ habe das DRK eine Lohnkostensteigerung von rund 3,5 % verkraften müssen. Darüber hinaus habe das DRK allein in den letzen fünf Jahren durch ehrenamtlich geleistete Arbeit zu einer Kostenersparnis von über 20 Millionen Euro beigetragen, so der DRK-Präsident.

Die Kostenträger müssten sich bewusst sein, dass die gesetzlich vorgeschriebene Qualität auch ihren Preis habe. „Wenn die Kassen nicht mehr bereit sind, die im Bundesvergleich sehr niedrigen Kosten zu tragen, dann geraten wir in immer größere finanzielle Probleme“, so Dr. Menz. „Wir haben längst begriffen, dass wir mit größter Disziplin und mit höchstem Druck sparen müssen. Aber Sparen muss dort seine Grenze haben, wo sonst die Qualität der Hilfe, die Verlässlichkeit und Sicherheit unserer Dienste nicht mehr gewährleistet ist.“

Krankentransport
Im Jahre 2003 war der qualifizierte Krankentransport mit 475.389 Einsätzen (2002: 488.291) nur leicht rückläufig.
Für das Jahr 2004 zeichne sich allerdings beim Krankentransport in Folge des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes ein regelrechter Einbruch ab.

Das DRK müsse rasch auf den Rückgang der Transporte von bis zu 20% reagieren, um nicht in rote Zahlen zu geraten. Dabei bedauerte Dr. Menz die manchmal entstehenden Wartezeiten für Patienten im Krankentransport.“ Wir können nicht genügend Fahrzeuge betreiben, weil wir das Geld nicht dafür erstattet bekommen“, so Dr. Menz. Dabei ist das DRK sicherlich nicht zu teuer: „Eine private Konkurrenz gibt es kaum – die wissen, dass sich beim Krankentransport kein Geld verdienen lässt“.

Zivildienst
Beim Zivildienst wird sich das DRK auf weiter sinkende Zahlen einrichten. „Wir haben es hier mit einem schleichenden Ende des Zivildienstes zu tun.“ Von einstmals 1800 ZDL sind mittlerweile nur noch 800 im Dienst. „In vielen Bereichen lassen sich die ZDL gar nicht mehr einsetzten, weil sie viel zu kurz bei uns sind. Allerdings forderte Menz nach wie vor eines ein: Planungssicherheit. „Unvorhersehbare Entscheidungen und weitere Kürzungen lassen im bisherigen Arbeitsgebiet von Zivildienstleistenden ein sozialpolitisches Niemandsland befürchten.“


Katastrophenschutz
Es sei eine traurige Realität, dass der Terror näher rücke und der Katastrophenschutz nicht nur auf Naturkatastrophen vorbereitet sein müsse, so Dr. Menz.
Für die Versorgung von Opfern und der Bevölkerung in Katastrophenfällen sei das DRK vorbereitet: Insgesamt stehen mehr als 21 000 ehrenamtliche DRK-Helferinnen und Helfer in über 140 Schnelleinsatzgruppen, 103 Einsatzeinheiten des Katastrophenschutzes und im DRK-Hilfszug Baden-Württemberg bereit.

Dank des Anti-Terror Programms des Landes konnte im vergangenen Jahr tatsächlich eine Stärkung des Katastrophenschutzes verzeichnet werden. Unter anderem wurden 44 neue Fahrzeuge für die technische Unterstützung der Einsatzeinheiten ausgeliefert. Doch diese Maßnahmen seien nur ein Schritt hin zu einem auch in der Zukunft leistungsfähigen Katastrophenschutz. Deshalb dürfe der Katastrophenschutz nicht mehr in den Dornröschenschlaf der 90er Jahre zurückfallen.

Millionen von Arbeitsstunden
Die Mitgliederzahlen im DRK-Landesverband sind stabil: Die Gesamtzahl von 607.736 (2002: 609.119) setzt sich zusammen aus 574.483 (2002: 558.993) Fördermitgliedern und den 47.322 (2002:50.836) ehrenamtlichen Aktiven. Hierzu gehören 15.317 (2002: 15.529) Jugendrotkreuzler im Alter zwischen sechs und 27 Jahren, deren Zahl ebenfalls erfreulich konstant geblieben ist.

Damit ist der DRK-Landesverband mit seinen 34 Kreisverbänden weiterhin der nach Bayern zweitgrößte von insgesamt 19 Landesverbänden im DRK. Er umfasst 681 Ortsvereine und 748 Bereitschaften. Von den 4.238 bei der Landesgeschäftsstelle und den Kreisverbänden hauptamtlich tätigen Mitarbeitern waren 2.236 im Rettungsdienst beschäftigt.
Einen besonderen Dank richtete Dr. Menz an die ehrenamtlichen DRK-Helfer, die einen Großteil der Aufgaben bewältigen: Im Jahr 2003 leisteten sie fast 3 Millionen ehrenamtliche Dienststunden (2.830.247).

Jugendrotkreuz
Die erfolgreiche Kampagne des Jugendrotkreuzes "Bleib' cool ohne Gewalt" wurde Ende 2003 beendet. Parallel wurde die nächste bundesweite Kampagne vorbereitet und im März diese Jahres gestartet. Jedes siebte Kind in Deutschland ist arm. Das will das Deutsche Jugendrotkreuz nicht länger hinnehmen. Unter dem Motto "ARMUT: SCHAU NICHT WEG!" werden Jugendrotkreuzler lautstark auf das Problem aufmerksam machen und mit Politiker/innen ins Gespräch kommen, um so eine langfristige Verbesserung der Situation armer Kinder und Jugendlicher zu erreichen.

Die erfolgreiche Schularbeit stützte sich auch im Jahr 2003 auf die drei Pfeiler ‚Schulsanitätsdienst’, Vor- und Grundschulprogramme und Aus- und Fortbildung. Das klassische Angebot ‚Schulsanitätsdienst’ wird zur Zeit an ca. 180 Schulen praktiziert und ist gegenüber 2003 weiter gewachsen. Beim JRK-Bundeswettbewerb konnte sich das JRK Berghausen in der Klasse der 6 – 12jährigen als Bundessieger feiern lassen.

Die Sozialen Dienste des DRK
Die Sozialarbeit im DRK-Landesverband Baden-Württemberg sei ein nachhaltig wachsendes Tätigkeitsfeld in den Kreisverbänden. Sie habe sich in vielen Kreisverbänden zum bedeutenden wirtschaftlichen Standbein entwickelt. So sei allein im letzten Jahr die Zahl der stationären und teilstationären Altenpflegeeinrichtungen um vier auf mittlerweile 36 gewachsen, zwei stünden kurz vor der Eröffnung und weitere zwei Einrichtungen seien in der Planung. Dies bedeutet ca. 1.750 Arbeitsplätze sowie 150 Ausbildungsplätze für Altenpflegeschüler. „Wir gewinnen hier Menschen für das DRK, die bisher keine Beziehung zum Roten Kreuz hatten“, so Dr. Menz.

Die zentralen Herausforderungen für die Sozialarbeit im Roten Kreuz definierte Dr. Menz mit den Stichworten demographischer Wandel, Migration und Rückgang der Leistungen der sozialen Sicherungssysteme aufgrund der finanziellen Lage öffentlichen Hand.
„Vor diesem Hintergrund sind wir herausgefordert, unsere sozialen Dienste und Angebote nicht nur zu stärken und zu stabilisieren, sondern wir entwickeln auch neue, an die Bedürfnisse der Kunden angepasste Dienstleistungen“, betonte der Präsident.

Mutter-Kind-Kuren gefährdet
Das vom Roten Kreuz betriebene Haus „Adelheidstift“ in Kirchberg/Jagst, das Kuren für Mütter mit schwer und mehrfach behinderten Kindern anbietet, stehe trotz bester Resonanz und Erfolge finanziell in einer existentiellen Krise. Einerseits seien die geforderten und immer höheren Qualitätsstandards kaum zu erfüllen und andererseits ist eine zunehmend restriktive Bewilligungspolitik der Krankenkassen zu beobachten.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben im Jahr 2003 ihre Ausgaben für Vorsorge- und Reha-Maßnahmen für Mütter und Mütter mit Kindern bundesweit um 5,7% zurückgeschraubt. Seit 2002 ist ein Rückgang der Ausgaben um rund 22 Millionen Euro zu verzeichnen. Rund 50% der beantragten Kuren werden von den Kassen abgelehnt.
In der Folge zeichne sich im Haus Adelheidstift gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang der bewilligten Kuren um fast 20 % ab.
“Angesichts der aktuellen Diskussion um die Familienfreundlichkeit in unserem Lande ist es ein Armutszeugnis, dass dieses Haus in seiner Existenz bedroht ist. Wir werden aber mit allen Mitteln versuchen das Haus zu halten, denn wir sind von der wertvollen Arbeit überzeugt, die dort geleistet wird“, so Dr. Menz.

 

 

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