Presseinfo 11/11.4.2005
Stuttgart. Das Rote Kreuz präsentiert sich als erfolgreicher Verband bei Hilfeleistungen, in der Sozialarbeit und in der Breitenausbildung. Dank über 48.000 ehrenamtlicher Rotkreuz-Helfer steht das Rote Kreuz in Baden-Württemberg trotz knapper Kassen auf einer soliden Basis. In diesem Jahr wird die Hilfsorganisation in Baden Württemberg zwischen 12.000 und 16.000 jugendliche Schüler in Erster Hilfe ausbilden. Ob in seiner Eigenschaft als größte nationale Hilfsgesellschaft oder als Spitzenverband der Wohlfahrtspflege: Das Rote Kreuz steht auf solider Basis, baut seine Angebote aus und setzt auf modernes Qualitätsmanagement. Zudem findet die Rotkreuzidee bei der jungen Generation weiterhin Anklang.
Neben dem Katastrophenschutz und den Sanitätsdiensten ist die Breitenausbildung der Bevölkerung in Erster Hilfe eine der Kernaufgaben des Roten Kreuzes. Diese Ausbildungen führen insbesondere ehrenamtliche Rotkreuz-Helfer überall im Lande durch. „Deshalb bin ich ganz besonders erfreut darüber, dass das Rote Kreuz in Baden-Württemberg vom Bundesinnenministerium den Zuschlag erhalten hat, exklusiv und flächendeckend junge Menschen an den Schulen im Land in Erster Hilfe auszubilden“, so Dr. Lorenz Menz, der Präsident des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg am heutigen Montag.
Die Ausbildung und Rotkreuz-Arbeit an Schulen ist für das Rote Kreuz allerdings keineswegs neu: „Wir haben im Lande über 200 Schulsanitätsgruppen initiiert und bilden an unserer Landesschule Lehrer zu Betreuern dieser Gruppen aus“, so Dr. Menz. Auch Grundschullehrer bildet das Rote Kreuz aus, damit diese ihren Schülern im Unterricht das Thema „Erste Hilfe“ näher bringen. Schließlich bieten viele Kreisverbände ein Vorschulprogramm für Kinder und Erzieherinnen in Kindergärten an.
Gute Bilanz des Verbandes
Das Rote Kreuz weise in seinem gesamten Aufgabenspektrum eine gute Bilanz auf, so Dr. Menz: „Unsere Arbeit ist nötiger denn je. Das Rote Kreuz hat sich mit seinen Diensten und Angeboten weiter entwickelt und steht nach wie vor auf einer soliden Basis. Mit unseren vielen Tausend aktiven Helfern und mit einer beeindruckenden Leistungsbilanz sind wir sicher, dass wir auch in Zukunft ein zuverlässiger Partner der Bürger in unserem Lande sein werden.“
Auch wenn sich die Wohlfahrtsverbände in einem schwierigen Umfeld bewegen, das von Mittelkürzungen allerorten oft schwer und manchmal existenziell betroffen ist, stellt sich das Rote Kreuz den Herausforderungen. „Wir setzen nach wie vor auf die großen Qualitäten des Roten Kreuzes: Kompetente Arbeit, Verlässlichkeit, die Nähe zum Menschen.“ so Dr. Menz. Neben den rund 4.600 hauptamtlichen Kräften bezeichnete Menz die rund 48.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer als Rückgrat und Kern des Roten Kreuzes. Deren Einsatz sei ein unbezahlbarer Dienst für eine menschliche Gesellschaft.
Solide Leistung trotz kritische Finanzlage:
Rettungsdienst und Krankentransport
„Die tadellose Arbeit unserer Rettungsdienste erweist sich in den erfolgreichen TÜV-Zertifizierungen von immer mehr Kreisverbänden,“ so Dr. Menz. Im Laufe der vergangenen 12 Monate wurden fünf Kreisverbände nach DIN ISO zertifiziert. Weitere vier folgen noch in diesem Jahr. Dabei wies Menz darauf hin, dass das Rote Kreuz diese Investition in einen qualitativen und sicheren Rettungsdienst aus Eigenmitteln bestreitet. „Wir zahlen das nicht aus den Kostenerstattungen der Krankenkassen“, so Menz.
Die 34 DRK-Kreisverbände führen rund 90% des Rettungsdienstes (Notfallrettung und qualifizierter Krankentransport) durch. An den 147 Rettungswachen des Verbandes werden insgesamt 103 Notarzteinsatzfahrzeuge und 294 Rettungswagen vorgehalten. Die Notfallrettung zeigte 2004 im Vergleich zum Vorjahr eine weitere Steigerung von durchschnittlich 3,1% auf 344.874 (2003: 334.505).
An der prekären finanzielle Ausgangssituation im Rettungsdienst habe sich nichts geändert: Nach wie vor bleibe das DRK auf Kostensteigerungen sitzen, auf die es keinen Einfluss habe. Im Gegensatz zu der von den Krankenkassen proklamierten „Nullrunde“ habe das DRK eine Lohnkostensteigerung von rund 1,5 % verkraften müssen. Stattdessen habe der Einsatz von ehrenamtlichen Kräften die Ausgaben für den Rettungsdienst in den letzten Jahren um einen zweistelligen Millionenbetrag gesenkt. Menz forderte „eine vernünftige Finanzierung des gesetzlichen Auftrages zur Notfallrettung – ohne die oft jahrelange Verzögerung aufgrund eines Rechtsweges, der mittlerweile zur Regel geworden ist“. Das derzeit praktizierte Vereinbarungsprinzip drohe sonst ad absurdum geführt zu werden. Das Rote Kreuz werde trotz aller Schwierigkeiten alles daran setzen, dass diese Problematik nicht zu Lasten der Patienten gehe.
Nach den Änderungen im Rahmen des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes ist für 2004 ein Rückgang des qualifizierten Krankentransportes um 5,1 % auf 448.668 (2003: 475.389) Einsätze zu verzeichnen.
Dabei bedauerte Dr. Menz die manchmal entstehenden Wartezeiten für Patienten im Krankentransport. “Wir können nicht genügend Fahrzeuge betreiben, weil wir das Geld dafür nicht erstattet bekommen“, so Dr. Menz. Dabei sei das Rote Kreuz keineswegs zu teuer: „In den Bundesländern, in denen per kommunalen Satzungsgebühren die Krankentransportpreise festgelegt werden, sind sie im Durchschnitt doppelt so hoch, teilweise betragen sie das dreifache der in Baden-Württemberg geltenden Tarife.“
Zuverlässig im In- und Ausland: Der Katastrophenschutz
Bei der Flutkatastrophe in Südasien hat sich das internationale Netzwerk der Rotkreuz-Gemeinschaften in hervorragender Weise bewährt. Dr. Menz dankte allen Spendern für das große Vertrauen, das dem Roten Kreuz entgegengebracht worden sei. „Wir wissen um die Verantwortung, das gespendete Geld sinnvoll und vollständig für die Hilfeleistungen zu verwenden.“
Für den Katastrophenschutz in Baden-Württemberg fielen die finanziellen Zuwendungen des Landes Baden-Württemberg im Jahr 2004 erstmals wieder auf das Niveau vor dem Terroranschlag vom 11.September 2001 zurück. Wenn Bund und Land ihrer Verpflichtung zur ordnungsgemäßen Ausstattung der Katastrophenschutzeinheiten weiterhin dauerhaft nicht nachkommen, kann selbst bei größtem ehrenamtlichem Engagement der mehr als 21.000 ehrenamtlichen Rotkreuzhelferinnen und -helfer die Gefahrenabwehr für die Bevölkerung in unserem Land künftig nicht mehr ausreichend gewährleistet werden.
Kern des Roten Kreuzes: Millionen von Arbeitsstunden durch ehrenamtliche Helfer
Die Mitgliederzahlen im DRK-Landesverband sind stabil: Die Gesamtzahl von 618.417 (2003: 621.805) setzt sich zusammen aus 570.062 (2003: 574.483) Fördermitgliedern und 48.355 (2003: 47.322) ehrenamtlichen Aktiven. Hierzu gehören 15.201 (2003: 15.317) Jugendrotkreuzler im Alter zwischen sechs und 27 Jahren, deren Zahl ebenfalls erfreulich konstant geblieben ist.
Damit ist der DRK-Landesverband mit seinen 34 Kreisverbänden weiterhin der nach Bayern zweitgrößte von insgesamt 19 Landesverbänden im DRK. Er umfasst 693 Ortsvereine und 755 Bereitschaften. Von den 4.610 hauptamtlich tätigen Mitarbeitern waren 2.283 im Rettungsdienst beschäftigt.
Einen besonderen Dank richtete Dr. Menz an die ehrenamtlichen DRK-Helfer, die einen Großteil der Aufgaben bewältigen: Im Jahr 2004 leisteten sie wieder rund drei Millionen (2.935.558) ehrenamtliche Dienststunden.
Jugendrotkreuz
Die Arbeit des Jugendrotkreuzes stand im vergangenen Jahr ganz im Zeichen der Kampagne zur Kinderarmut. Unter dem Motto "ARMUT: SCHAU NICHT WEG!" machen Jugendrotkreuzler auf dieses Problem aufmerksam, um eine langfristige Verbesserung der Situation armer Kinder und Jugendlicher zu erreichen. Dazu gehört auch das Projekt „Plus-minus-Null“ zur Schuldenprävention, Schulungen von Gruppenleitern und Leitungskräfte. Mit Kontakttagen zur Lehrstellensuche über „No-Money-Parties“ bis zu Spielplatzrenovierungen wurden Ideen entwickelt und Projekte gestaltet.
Die umfangreiche Schularbeit des Jugendrotkreuzes stützte sich auch im Jahr 2004 auf den ‚Schulsanitätsdienst’, die Vor- und Grundschulprogramme und die Aus- und Fortbildung. Das klassische Angebot ‚Schulsanitätsdienst’ wird zur Zeit an über 200 Schulen im Bereich des Landesverband Baden-Württemberg mit deutlich steigender Tendenz praktiziert. Schulsanitäter leisten u.a. an den Schulen Pausenhofdienste und sind da, wenn ihre Hilfe benötigt wird.
Mobil und fit auch im Alter: Die Sozialen Dienste
In der Sozialarbeit bestehen die zentralen Herausforderungen im demographischen Wandel, Migration und Rückgang der Leistungen der sozialen Sicherungssysteme aufgrund der finanziellen Lage des Bundes, Landes und der Kommunen.
Das breit gefächerte Angebot des Roten Kreuzes von sozialen, ambulanten und stationären Hilfen hilft allen Menschen, die sich fit halten wollen und in den eigenen vier Wänden leben wollen. Das Rote Kreuz in Baden-Württemberg bietet hier – mit stetig wachsender Teilnehmer- und Kundenzahl – eine ganze Palette für ältere Mitbürger an. Dazu gehören die Bewegungsprogramme mit Tanz, Gymnastik, Yoga, Gedächtnistraining und rund 30.000 Teilnehmerinnen jährlich, ein Reiseprogramm, den Menü-Bringdienst, Beratungsdienste sowie die Alarmdienstleistungen Hausnotruf und Mobilruf. „Mit Hilfe unserer sozialen Dienste bleiben die Menschen fitter, mobil und haben dennoch die Sicherheit, dass jemand zu Hilfe kommt, wenn etwas passiert“, so Dr. Menz.
Das pflegerische Angebot wird komplettiert durch ambulante Pflegedienste und Tagespflege-Angeboten. Die Zahl der stationären und teilstationären Altenpflegeeinrichtungen des Roten Kreuzes steigt beständig. Derzeit betreibt das Rote Kreuz in Baden-Württemberg 42 Einrichtungen mit zirka 2.900 Plätzen, davon 150 in der Tagespflege. Im letzten Jahr waren es noch 36 Einrichtungen.
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